er dieses Buch
Der gewissenhafte Historiker wird nicht den Anspruch erhe-
ben, die Zukuntt vorhersagen und vorherbestimmen zu k?n-
nen. Br 1st kein Prophet, auch wenn man ihn zuweilen dazu
machen will. Doch hat es seit der Aufkl?rung, sp?testens seit
Comte, immer wieder Gelehrte gegeben, die mit Hilfe der
Soziologie, der Wirtschaftswissenschaften und den Mitteln der
vergleichenden Kulturkritik die k?hne Behauptung aufstellten,
endlich das Gesetz einer historischen Kontinuit?t entdeckt zu
haben. Schon fr?h hat der Philosoph nach dem Sinn der Ge-
schichte gefragt, und die Geschichtsphilosophie ist im Kern schon
in den Mythen der Antike enthalten. hre volle Ausgestaltung
erhielt sie freilich erst im Deutschland des 18. und 19.Jahr-
hunderts. Jacob Burckhardt hat einmal ge?u?ert, da? alle Ge-
schichtsphilosophie eine contradictio in adjecto sei. Bei diesem
Ausspruch hatte er Hegels Philosophie der Geschichte vor
Augen.
Das vorliegende Lesebuch der deutschen Geschichtsphilo -
sophie stellt beide vereint neben Lessing und Herder bis zu
Max Weber und Karl Jaspers. Was diese Autoren - bei aller
Gegens?tzlichkeit im einzelnen - miteinander verbindet, ist der
ihnen gemeinsame Zug zur geschichtlichen Ganzheit und Ein-
heit des Menschseins in der D1alektik von Glauben und Wissen.
von Mythos und Freiheit, von ldeologie und Wirklichkeit.
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